Einigung über Zukunft von HKM zwischen Thyssenkrupp und Salzgitter

Thyssenkrupp Steel und Salzgitter erreichen Einigung über Zukunft von HKM

Der kriselnde Stahlkonzern Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) hat sich mit der Salzgitter AG über die Zukunft der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) verständigt. Nach intensiven Verhandlungen wird TKSE zum 1. Juni 2026 seine 50-Prozent-Anteile an Salzgitter veräußern, wodurch Salzgitter zum alleinigen Eigentümer des Duisburger Werks wird. Derzeit hält auch Vallourec einen Anteil von 20 Prozent an den Hüttenwerken.

Obwohl HKM rund 3.000 Arbeitnehmer beschäftigt, wird ein erheblicher Stellenabbau erwartet. Lediglich ein Drittel der Beschäftigten, etwa 1.000 Arbeitsplätze, sollen von Salzgitter übernommen werden. Ein Sozialtarifvertrag befindet sich in Verhandlungen, um den Abbau zu regeln. Die finanzielle Seite der Transaktion bleibt vertraulich.

Die Einigung bedeutet auch, dass die Lieferungen von Brammen an TKSE bis Ende 2028 eingestellt werden, zwei Jahre früher als ursprünglich vorgesehen. TKSE-Chefin Marie Jaroni bezeichnete die Einigung als „Meilenstein zur zukunftsfesten Aufstellung“. Salzgitter-Vorstandsvorsitzender Gunnar Groebler hob hervor, dass dies Klarheit und eine positive Perspektive für die Belegschaft schaffe.

Strategiewechsel zur grünen Stahlproduktion

Im Hintergrund dieser Entscheidung strebt TKSE eine signifikante Reduzierung seiner Produktionskapazität von derzeit 11,5 Millionen auf etwa 8,7 bis 9 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr an. Dies ist eine Reaktion auf globale Überkapazitäten und den Preisdruck durch Importe aus China. Die Neuausrichtung der TKSE und die Beendigung des Liefervertrags über 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr sind entscheidende Bestandteile dieser Strategie.

Salzgitter plant, die HKM zu einem CO2-armen Stahlproduzenten umzubauen, einschließlich der Errichtung eines Elektrostahlwerks (EAF), finanziell unterstützt durch 200 Millionen Euro Fördermittel von Bund und Land. Damit wird ein Modellprojekt initiiert, das nicht nur der Entkopplung von fossilen Brennstoffen dient, sondern auch die Zukunftsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie sichern soll.

Eine richtungsweisende Entscheidung für die Stahlindustrie

Die erzielte Einigung verhindert eine drohende Werksschließung, was TKSE als Alternative vorgesehen hatte. Branchenkenner sehen in der Vereinbarung einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen der beteiligten Parteien. Während TKSE potenzielle Verluste abwendet, gewinnt Salzgitter an Produktionskapazitäten, die für ihre langfristige Transformationsstrategie von entscheidender Bedeutung sind. Trotz der positiven Wahrnehmung dieser Vereinbarung stehen die nicht zu vermeidenden Arbeitsplatzverluste im Zentrum der Kontroversen. Die Belegschaft hat ihre Sorgen in jüngsten Demonstrationen zum Ausdruck gebracht und die IG Metall mahnt, dass gescheiterte Sozialpläne zu Arbeitskämpfen führen könnten. Trotzdem zeigt sich die Stahlbranche optimistisch, dass die Umstellung auf umweltfreundlichere Produktionsprozesse eine neue Ära einläutet.