Wilfrid Schulz: Die Legende des Paten von St. Pauli

Wilfrid Schulz: Aufstieg und Fall des „Paten von St. Pauli“

Wilfrid Schulz, oft als der „Pate von St. Pauli“ bezeichnet, war eine zentrale Figur im Hamburger Rotlichtmilieu während der 1960er- und 1970er-Jahre. Seine Karriere vom bescheidenen Rausschmeißer zum gefürchteten Machtinhaber ist gut dokumentiert und bietet faszinierende Einblicke in die Machenschaften dieser Zeit.

Der unaufhaltsame Aufstieg zum Machtzentrum

Geboren 1928 in Hamburg, begann Schulz seine Karriere auf der Reeperbahn, wo er sich schnell einen Namen machte. Durch strategisches Geschick und nicht zuletzt durch gewaltsames Vorgehen, gelang es ihm, österreichische Zuhälter von seinem Territorium zu vertreiben und die Kontrolle zu übernehmen. Sein „Café Chérie“ diente ihm als Basis für seine zahlreichen Aktivitäten, die weit über ein einfaches Nachtlokal hinausgingen.

Der Einfluss und die Netzwerke von Schulz

In seinem beständigen Bestreben, die Oberhand zu behalten, baute Schulz ein Netzwerk auf, das vor allem durch seine Verbindungen zu Hochrangigen in diversen gesellschaftlichen Schichten geprägt war. So war zum Beispiel auch ein Korruptionsskandal mit einem Kriminaldirektor Teil der Gerüchte um ihn. Berichten zufolge fand man in seinem Tresor einen Schuldschein über 200.000 Mark für Wett-Verbindlichkeiten des Kriminalchefs Hans Zühlsdorf, wodurch die Nähe zur Polizei weitere Nahrung in den Medien fand.

Vom Gipfel in die Tiefe: Schulz‘ juristische Auseinandersetzungen

Während seiner Höhepunkte war Schulz ständigen rechtlichen Herausforderungen ausgesetzt. Trotz 24 Strafverfahren gegen ihn, darunter auch schwere Vorwürfe wie Menschenhandel und Bestechung, kam es aufgrund von Mangeln an Beweisen nur zu wenigen Verurteilungen. 1982 schließlich nahm die Hamburger Polizei Schulz bei einem Großeinsatz fest. Ein Jahr darauf, 1984, wurde er zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, hauptsächlich wegen Steuerhinterziehung und Förderung der Prostitution. Diese Festnahme markierte den Wendepunkt seiner Machtposition.

Der Nachhall seiner Taten in der Gegenwart

Trotz seiner Verurteilung und dem Ende seiner kriminellen Aktivitäten bleibt Wilfrid Schulz bis heute eine schillernde Gestalt in deutschen Kriminalgeschichten. Historiker wie Jan-Henrik Meyer vom ZZF Potsdam, der ebenfalls in die Archivakten Einsicht nahm, betonen besonders die Grauzonen, welche die Karriere von Schulz ausmachten – eine Mischung aus Unterwelt-Charisma und fast respektabler Geschäftsführung. Mit dem Aufschwung des Tourismus auf der Reeperbahn erscheinen seine Taten und die darauffolgenden rechtlichen Auseinandersetzungen in einem neuen Licht.